"Password: Gilles de Rais - Eine Verschwörung"

Im neuen Projekt des moop_Medientheaters bildet die sagenumwobene historische Figur des Kampfgefährten Jeanne d´ Arcs - "Gilles de Rais" -, besser bekannt auch unter dem Synonym "Blaubart", den Ausgangspunkt eines virtuellen Spiels um Wissen und Verschwörung.
War Gilles de Rais ein skrupellos, nach dem Höchsten strebender Wissender, oder eine psychopatische Ausgeburt an Grausamkeit und Sadismus? Lebte er für Gott oder den Teufel?
The great beast 666, Aleister Crowley, wollte 1930 diese Fragen an der Universität Oxford analysieren. Der Vortrag wurde verboten.
Auch der französische Autor und "Exzessforscher" George Bataille dokumentierte den Fall "Gilles de Rais" und betrieb Ursachenforschung.
Diese beiden Texte bilden vor allem die Grundlagen für die inhaltliche Konzeption und Zusammenstellung des Verschwörungsspiels "Password: Gilles de Rais."

Jeanne d´ Arc und Gilles de Rais wurden von der Inquisition wegen Ketzerei angeklagt und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Jeanne d´Arc ging als Heilige Jungfrau in die Geschichte ein, Gilles de Rais als teuflischer Kindermörder.

In einem virtual-reality-Cave begleitet der Mystizist und "Antichrist" der Moderne, Aleister Crowley als Spielleiter die virtuelle Figur Jeanne d´Arc durch Informations- und Erlebnisräume. Sie erhält von ihm das Passwort und einen Nickname für virtuelle Kommunikation und macht sich auf zur Lösung des Rätsels um Gilles de Rais. Das Passwort dient der Userin Jeanne d‘Arc als Schlüssel zum Eintritt in Datenwelten:

"Your task is to get the real information about Gilles de Rais. Find out what`s between the little words "information and knowledge". Words of which we hear so much and see so little. Jeanne that´s the idea of this game."

Level 1: Get the information
Level 2: Talk to him!
Level 3: Go!
Control Level: Gottesbeweise

In Zeiten der Informationsgesellschaft tobt ein Kampf um die Kontrolle von aktuellen und virtuellen Datenflüssen. Überwachungsgelüste treffen auf grenzenlosen Exhibitionismus. In einem theatralen Videospiel stellen sich die Fragen nach Wissen, realer Erfahrung und Verschwörung von neuem.
Virtuelle Welten haben unter anderen den Vorteil: Sie bieten die Möglichkeit des Identitätwechsels. Merkmale der Struktur eines Computerspiels dienen als dramaturgisches Gerüst für das Stück.
Können in aktuell-virtuellen Erlebnisräumen Begriffe wie Sehnsucht, Begehren, Macht erfahrbar werden? Wo verschwimmt die kritische Distanz der Wahrnehmung mit realer Spielaffektion?

Just because you are not paranoid, it doesn`t mean that they are not after you!
God is dead only conspiracy!


Quellen:

1) Original-Dokumente des Prozesses gegen Gilles de Rais in: George Batailles: Gilles de Rais, Leben und Prozeß eines Kindermörders, Merlin, 1989
2) "Gilles de Rais – The bannned Lecture" von Aleister Crowley, zweisprachige Ausgabe mit einem Interview aus dem Jahre 1930; Hrsg. v. Michael Farin, Roland Hebb, belleville
3) Die Kommentare George Batailles über Gilles de Rais, s.o.
4) Ontologische Gottesbeweise von Anselm von Canterbury (1033-1109)

Gilles de Rais wurde im Jahre 1404 aus vornehmen Geschlecht geboren. Er bewährte sich nicht nur hervorragend in mehreren Feldzügen, er besaß auch eine außerordentliche Bildung und interessierte sich für Bücher, für Musik und Theater. Er wurde sodann zum ständigen Begleiter und Leibwächter der Jeanne d´Arc bestimmt. Gleichzeitig betätigte er sich als Alchimist. In den Gemächern und Gewölben seiner Schlösser soll er im Laufe der Zeit bis zu 800 Kinder abgeschlachtet haben, um sie den Satan beziehungsweise einem Dämon zu opfern oder um nur seine sadistische Lust zu befriedigen. Wegen dieser Verbrechen wurde er schließlich gehängt und am Scheiterhaufen verbrannt.

Aleister Crowley sollte 1930 einen Vortrag an der Universität Oxford zu der historischen Legende Gilles de Rais halten. Dieser Vortrag wurde verboten. Die "satanische" Kombination Aleister Crowley/ Gilles de Rais war dort nicht erwünscht.
Der "Verschwörungstheoretiker und teuflische Auserwählte" (Eigendefinition) stellte Parallelen zwischen Gilles de Rais und sich selbst her. Vielleicht bedeutete das Wissen von Gilles de Rais eine Gefährdung repräsentativer und katholischer Kontrollmechanismen? Während Jeanne d ´Arc von der Geschichte zur Jungfrau, Heldin und Heiligen verwandelt wurde, blieb Gilles de Rais das Image des Kindermörders und Satanisten.

Anselm von Canterbury (1033-1109)
Der Theologe, Philosoph und Logiker Anselm von Canterbury wurde im Jahre 1093 Erzbischof von Canterbury. Er behauptete , daß die Begriffe (darunter auch die Universalien) den Einzeldingen vorausgehen, unabhängig von diesen existieren und ihr Wesen ausmachen. Gottesbeweis nennt man ein Argument, das ohne die Voraussetzung geoffenbarter Weisheiten oder theologischer Dogmen zu beweisen versucht, daß Gott existiert. Der ontologische Gottesbeweis geht nicht von der Erfahrung aus. Vielmehr wird hier die Existenz Gottes aus dem Begriff Gottes bewiesen.

Ontologischer Gottesbeweis
von Anselm von Canterbury (1033-1109)

Gott ist das größte vorstellbare Sein

1. Gott existiert in der Vorstellung, aber nicht in der Realität.
2. Die Existenz in der Realität ist größer als die bloße Existenz in der Vorstellung.
1. Gottes Existenz in der Realität ist vorstellbar.
2. Wenn Gott in der Realität existiert, dann wäre er größer als er ist (von 1. Und 2.)
3. Es ist vorstellbar, daß ein Sein größer als Gott ist (3. Und 4.)
4. Es ist vorstellbar, daß ein Sein ist, daß größer ist als das größte vorstellbare Sein.
(5. Nach der Definition Gottes)
5. Es ist falsch, daß es vorstellbar ist, daß da ein Sein ist, daß größer ist als das größte vorstellbare Sein.
6. Es ist falsch, daß Gott in der Vorstellung existiert aber nicht in der Realität.